Über uns – Die Geschichte der Heimwacht Balve

Seit 1921 für Heimat, Geschichte und Kultur

Die Heimwacht Balve e.V. blickt auf eine mehr als 100-jährige Geschichte zurück. Seit ihrer Gründung im Jahr 1921 setzt sie sich für die Bewahrung der Geschichte und Kultur des Balver Landes, für seine Traditionen und seine besondere Landschaft ein. Dabei ging und geht es der Heimwacht nicht darum, Vergangenheit lediglich zu bewahren. Heimatpflege bedeutet für uns vielmehr, sich mit den eigenen Wurzeln auseinanderzusetzen, historische Zeugnisse zu erhalten und dieses Wissen an kommende Generationen weiterzugeben.

Ein Leitgedanke des Gründers Theodor Pröpper bringt diesen Anspruch bis heute auf den Punkt:

„Heimat unserer Väter – Zukunft unserer Kinder.“

Die Geschichte der Heimwacht ist dabei eng mit der Geschichte Balves verbunden. Die Balver Höhle und die Höhlenspiele, das Museum für Vor- und Frühgeschichte, der historische Kirchplatz, die Erinnerung an die Opfer der Balver Hexenverfolgungen und zahlreiche Veröffentlichungen zur Stadt- und Heimatgeschichte sind nur einige Beispiele für Themen, denen sich die Heimwacht im Laufe der Jahrzehnte gewidmet hat.

1921 – Die Gründung der Heimwacht

Die Geschichte unseres Vereins beginnt am 7. August 1921. An diesem Tag kamen im Kirchensaal zu Balve engagierte Bürger zusammen. Ihr Ziel war die Gründung einer Organisation, die sich ausdrücklich der Pflege der Heimat widmen sollte. Die neue Vereinigung erhielt den Namen „Heimwacht“. Zum ersten Vorsitzenden wurde Theodor Pröpper gewählt.

Bereits zwei Wochen später, am 21. August 1921, wurde eine Satzung verabschiedet. Die darin formulierten Aufgaben zeigen, wie umfassend der Begriff Heimatpflege schon damals verstanden wurde. Die Heimwacht wollte die sauerländische Eigenart und Mundart erhalten, Wissen über Natur, Geschichte und Volkskunde vermitteln, Sitten und Gebräuche pflegen sowie Landschaft, Pflanzen- und Tierwelt und die Natur- und Kunstdenkmäler der Heimat schützen.

Damit waren bereits vor mehr als einem Jahrhundert viele der Themen formuliert, die auch heute noch für Heimatvereine von Bedeutung sind: Denkmalschutz, Naturschutz, Geschichtsvermittlung, regionale Identität und die Bewahrung kultureller Traditionen.

Von Anfang an mitten im Balver Leben

Die Heimwacht entwickelte unmittelbar nach ihrer Gründung eine bemerkenswerte Aktivität.

Schon am 28. August 1921, nur drei Wochen nach der Gründungsversammlung, fand mit einem „Sauerländischen Volksabend“ die erste öffentliche Veranstaltung statt. Zu den Mitwirkenden gehörte Franz Hoffmeister, der eng mit Theodor Pröpper verbunden war und zu den prägenden Persönlichkeiten der sauerländischen Heimatbewegung gehörte.

Noch im ersten Vereinsjahr beschäftigte sich die Heimwacht mit einer erstaunlichen Vielfalt von Aufgaben. Es entstanden Arbeitsgruppen unter anderem für Literatur, Volksmusik, Landschaft, Altertums- und Museumsfragen, Sitten und Gebräuche, Plattdeutsch sowie Geschichte und Sagen.

Doch Heimatpflege fand nicht nur in Vorträgen und Sitzungen statt. Die Heimwacht beteiligte sich ganz praktisch am Leben der Stadt. Sie setzte sich beispielsweise für die Instandsetzung des Kreuzweges ein, organisierte gemeinsam mit Balver Schulkindern und Bürgern die Reinigung des Friedhofs und gestaltete kirchliche und traditionelle Veranstaltungen mit.

Auch ein Nikolausbrauch gehörte bereits 1921 dazu: Mitglieder der Heimwacht zogen als Nikolaus und Knecht Ruprecht mit einem Esel durch Balve und beschenkten Kinder. Zum Jahreswechsel initiierte die Heimwacht zudem ein gemeinsames Neujahrssingen, an dem sich zahlreiche Männer aus verschiedenen Balver Vereinen beteiligten.

Schon diese ersten Monate machten deutlich, was die Heimwacht auszeichnen sollte: Heimatpflege wurde nicht nur beschrieben, sondern gemeinsam gelebt.

1922 – Balve wird zum Treffpunkt der sauerländischen Heimatbewegung

Eine besondere Rolle spielte Balve bereits in den Anfangsjahren für die Heimatbewegung des gesamten Sauerlandes.

Vom 2. bis 4. September 1922 fanden in Balve die „Sauerländer Tage“ statt. Neben Versammlungen, einem Festzug und einem großen Volksfest wurde die Balver Höhle zum Schauplatz eines Ereignisses, das für die weitere Kulturgeschichte der Stadt von großer Bedeutung werden sollte.

In der Höhle wurde das „Redentiner Osterspiel“ in einer Bearbeitung von Franz Hoffmeister aufgeführt. Die Laienspielschar der Heimwacht wirkte an der Aufführung mit.

Damit begann eine Tradition, die Balve weit über die Grenzen der Stadt hinaus bekannt machen sollte: die Nutzung der Balver Höhle als außergewöhnlicher Ort für Theater und Kultur.

Die Heimwacht und die Balver Höhlenspiele

Theodor Pröpper erkannte früh die einzigartigen Möglichkeiten des gewaltigen „Felsendoms“. Unter Mitwirkung der Heimwacht entwickelte sich die Balver Höhle in den 1920er Jahren zu einem Schauplatz für Laienspiele und kulturelle Veranstaltungen.

Bis 1928 wurden regelmäßig Laienspiele in der Höhle aufgeführt. 1929 folgte „Der Tänzer unserer lieben Frau“, 1930 „Die Schlacht im Birkenfeld“.

Damit legten die frühen Aktivitäten der Heimwacht einen wichtigen Grundstein für eine Kulturtradition, die bis heute mit dem Namen Balve verbunden ist.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde diese Tradition wieder aufgegriffen. 1949 entstand die „Gemeinschaft Balver Höhlenspiele“. Im selben Jahr wurde Theodor Pröppers „Balver Zeitwendspiel“ aufgeführt. Tausende Besucher kamen zu den Aufführungen in den Felsendom. Auch in den folgenden Jahren wurden wieder große Theaterproduktionen in der Höhle gezeigt.

1930 – Die Heimwacht und die Geschichte Balves

Ein weiterer Meilenstein war das Jahr 1930.

Balve beging damals seine 1000-Jahrfeier. Die Heimwacht beteiligte sich intensiv an den Vorbereitungen. Der Rat der Stadt beauftragte sie mit der Erarbeitung eines Buches über die Geschichte der Stadt.

Unter dem Titel „Balve – vom Werden und Sein der Stadt“ entstand eine Veröffentlichung, die beispielhaft für eine Aufgabe steht, die die Heimwacht bis heute begleitet: Geschichte zu erforschen, zusammenzutragen, zu dokumentieren und für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Dieser Anspruch führte in den folgenden Jahrzehnten zu zahlreichen weiteren Publikationen zur Geschichte des Balver Landes.

Eine Zäsur in der Zeit des Nationalsozialismus

Die Geschichte der Heimwacht lässt sich nicht von der politischen Entwicklung Deutschlands trennen.

Am 3. Oktober 1934 trat Theodor Pröpper als Vorsitzender zurück. Historische Darstellungen nennen als Hintergrund seine Gegnerschaft zum Nationalsozialismus. Von Oktober 1934 bis Juni 1947 ruhte die Vereinsgeschichte der Heimwacht.

Erst nach dem Zweiten Weltkrieg konnte die organisierte Heimatpflege wieder aufgenommen werden.

Und ausgerechnet in dieser schwierigen Nachkriegszeit sollte die Heimwacht eine ihrer bedeutendsten Aufgaben übernehmen.

Der Kampf um die Balver Höhle

Die Balver Höhle hatte während des Zweiten Weltkriegs eine dunkle Phase ihrer Geschichte erlebt. Sie war für die Rüstungsproduktion genutzt worden. Nach Kriegsende bestand deshalb die Gefahr, dass die britische Militärregierung die Höhle beseitigen beziehungsweise sprengen lassen würde, um eine erneute militärische Nutzung unmöglich zu machen.

Für Balve hätte dies den Verlust eines einzigartigen Natur-, Geschichts- und Kulturdenkmals bedeutet.

Gegen die drohende Zerstörung formierte sich Widerstand. Auch die Heimwacht setzte sich mit großem Nachdruck für den Erhalt der Höhle ein. Unter ihrer Federführung entstand eine Denkschrift, in der die kulturhistorische und wissenschaftliche Bedeutung der Balver Höhle dargelegt wurde.

Der Einsatz hatte Erfolg: Die Balver Höhle blieb erhalten.

Die Rettungsaktion gehört damit zu den bedeutendsten Kapiteln in der Geschichte der Heimwacht. Heute erscheint es kaum vorstellbar, dass Balve sein bekanntestes Wahrzeichen hätte verlieren können. Umso deutlicher zeigt dieses Beispiel, was engagierte Heimatpflege bewirken kann.

Engagement für das Museum und die Vorgeschichte Balves

Auch die Erforschung der weit zurückreichenden Geschichte des Balver Landes spielte für die Heimwacht früh eine wichtige Rolle.

Bereits in den 1920er Jahren beschäftigte sich der Verein mit archäologischen Grabungen im Hönnetal und mit der Frage, wie die dabei entdeckten Funde präsentiert und bewahrt werden sollten.

Eine besondere Verbindung bestand zum Museum für Vor- und Frühgeschichte. Das bereits 1871 gegründete Museum gehört zu den ältesten seiner Art in Westfalen. Über viele Jahrzehnte kümmerten sich Persönlichkeiten aus den Reihen der Heimwacht um das Museum und seine Sammlungen. Dazu gehörten unter anderem Josef Pütter, Alfred Koch und Alfons Mölle.

Auch die Renovierung und Restaurierung des damaligen Museumsgebäudes gehörte zu den Aufgaben, denen sich die Heimwacht widmete.

Heute befindet sich das Museum für Vor- und Frühgeschichte in städtischer Trägerschaft bei der Luisenhütte in Balve-Wocklum. Seine Sammlungen erinnern weiterhin daran, welch außergewöhnlich lange Geschichte das Balver Land besitzt.

Bewahren, bevor etwas verloren geht

Heimatpflege bedeutet manchmal auch, entschieden Position zu beziehen.

Ein Beispiel dafür findet sich in den 1970er Jahren. Damals bestanden konkrete Planungen, zur Veränderung der Straßenführung Teile des historischen Fachwerkensembles am Balver Kirchplatz zu beseitigen. Auch die mehr als 300 Jahre alte Vikarie St. Nicolai war vom Abriss bedroht.

Die Heimwacht protestierte vehement gegen diese Pläne.

Das historische Ensemble blieb erhalten und prägt heute gemeinsam mit der St.-Blasius-Kirche das charakteristische Bild der Balver Innenstadt.

Solche Beispiele zeigen, dass der Wert historischer Gebäude häufig erst dann besonders deutlich wird, wenn ihr Fortbestand gefährdet ist. Die Heimwacht versteht es deshalb als ihre Aufgabe, das Bewusstsein für die historischen Zeugnisse unserer Stadt wachzuhalten.

Erinnern an die Opfer der Hexenverfolgung

Zu einer verantwortungsvollen Beschäftigung mit Heimatgeschichte gehören nicht nur die schönen und stolzen Kapitel der Vergangenheit.

Bereits im Gründungsjahr 1921 beschäftigte sich die Heimwacht mit dem Gedanken, am Balver Galgenberg ein Gedenkzeichen für die Menschen zu errichten, die während der Hexenverfolgungen ums Leben gekommen waren.

Es sollte 85 Jahre dauern, bis dieser Gedanke Wirklichkeit wurde.

Unter großem Engagement des damaligen Vorsitzenden und späteren Ehrenvorsitzenden Werner Ahrens entstand eine Gedenkstele. Am 9. August 2006 wurde sie auf dem Galgenberg eingeweiht und gesegnet.

Sie erinnert an die mehr als 300 Frauen und Männer, die im Zuge der Hexenverfolgungen im Raum Balve hingerichtet wurden.

Damit erfüllt die Heimwacht eine weitere wichtige Aufgabe der Geschichtsarbeit: Erinnerung bewahren – gerade dort, wo Geschichte mahnt.

Geschichte erforschen und Wissen weitergeben

Ein wichtiger Teil der Vereinsarbeit war und ist die Veröffentlichung historischer Forschung.

Neben dem Balver Buch von 1930 erschienen unter dem Dach oder mit Unterstützung der Heimwacht im Laufe der Jahrzehnte zahlreiche Bücher und Broschüren. Dazu zählen beispielsweise Arbeiten über das sauerländische Grenzland, über Pater Dr. Joseph Grendel, über das romanische Erbe Balves, historische Abgabenregister sowie Veröffentlichungen zur Geschichte der Hexenverfolgung.

Durch solche Publikationen werden Quellen, Forschungsergebnisse und Erinnerungen dauerhaft bewahrt und einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Heimatgeschichte soll schließlich nicht in Archiven verschwinden. Sie lebt davon, erzählt, gelesen und an die nächste Generation weitergegeben zu werden.

Natur- und Landschaftsschutz als Teil der Heimatpflege

Schon die erste Satzung von 1921 nannte ausdrücklich den Schutz von Landschaft, Pflanzen- und Tierwelt sowie von Natur- und Kunstdenkmälern als Aufgabe der Heimwacht.

Dieses Verständnis von Heimat ist bis heute aktuell.

Denn Heimat besteht nicht allein aus historischen Gebäuden, Dokumenten und Traditionen. Sie besteht ebenso aus der Landschaft, in der Menschen leben: aus Wäldern und Feldern, der Hönne, den Felsen und Höhlen sowie den charakteristischen Landschaftsräumen des Balver Landes.

Zu den praktischen Aktivitäten der Heimwacht gehörten deshalb im Laufe ihrer Geschichte auch Aktionen zum Schutz und zur Pflege der Landschaft, darunter die „Aktion Saubere Landschaft“.

Eng verbunden mit der sauerländischen Heimatpflege

Die Heimwacht war von Beginn an Teil einer größeren Heimatbewegung.

Zwischen Theodor Pröpper und Franz Hoffmeister bestand eine enge persönliche und inhaltliche Verbindung. Entsprechend eng entwickelte sich auch das Verhältnis zwischen der Heimwacht und dem Sauerländer Heimatbund.

Nach der kommunalen Neugliederung von 1975 kam die Verbindung zum Heimatbund Märkischer Kreis hinzu. Darüber hinaus gehört die Heimwacht dem Westfälischen Heimatbund an.

So verbindet der Verein bis heute seine Arbeit vor Ort mit dem Austausch und der Zusammenarbeit über die Grenzen Balves hinaus.

Eine Heimwacht für das gesamte Balver Land

Das heutige Balve ist größer als die Stadt, in der die Heimwacht 1921 gegründet wurde.

Seit der kommunalen Neugliederung von 1975 bilden Balve, Beckum, Eisborn, Garbeck, Langenholthausen, Mellen und Volkringhausen gemeinsam die Stadt Balve.

Die Heimwacht versteht ihre Heimatpflege deshalb als Aufgabe für das gesamte Balver Land und seine Menschen. Jeder Ortsteil besitzt seine eigene Geschichte, seine eigenen Traditionen, Gebäude, Landschaften und Geschichten – gemeinsam bilden sie die Vielfalt unserer Heimat.

Mehr als 100 Jahre – und kein Blick nur zurück

Im Jahr 2021 konnte die Heimwacht Balve auf ihr 100-jähriges Bestehen zurückblicken.

Mehr als ein Jahrhundert Vereinsgeschichte bedeutet dabei weit mehr als eine lange Reihe von Jahreszahlen. Hinter dieser Geschichte stehen Generationen von Menschen, die ihre Zeit, ihr Wissen, ihre Ideen und ihre Arbeitskraft eingebracht haben.

Sie haben historische Quellen gesammelt, Bücher veröffentlicht, Veranstaltungen organisiert, Mundart und Brauchtum gepflegt, für Baudenkmäler gekämpft, Landschaften geschützt, an dunkle Kapitel der Geschichte erinnert und Wissen über Balve weitergegeben.

Manches, was heute selbstverständlich zum Bild unserer Stadt gehört, musste zuvor bewahrt, erforscht oder gegen Widerstände verteidigt werden.

Doch Heimatpflege darf nicht bei der Vergangenheit stehen bleiben.

Die Frage lautet immer auch: Was möchten wir den kommenden Generationen hinterlassen?

Deshalb bleibt der Gedanke Theodor Pröppers für die Heimwacht aktuell:

„Heimat unserer Väter – Zukunft unserer Kinder.“

Tradition und Zukunft sind für uns keine Gegensätze. Wer weiß, woher er kommt, kann bewusster entscheiden, wohin er gehen möchte.

Unsere Aufgabe heute

Auch heute setzt sich die Heimwacht Balve e.V. für die Heimat- und Kulturpflege in Balve ein.

Wir möchten Interesse an der Geschichte unserer Stadt und ihrer Ortsteile wecken, historische Zusammenhänge vermitteln, kulturelles Erbe bewahren und Menschen miteinander ins Gespräch bringen. Dabei wollen wir das Bewährte erhalten, ohne uns dem Neuen zu verschließen.

Denn Heimat ist nichts Starres.

Sie entsteht dort, wo Menschen Verantwortung für den Ort übernehmen, an dem sie leben. Wo Geschichte nicht vergessen wird. Wo Kultur weitergegeben wird. Wo Landschaft und historische Zeugnisse geschützt werden. Und wo Menschen gemeinsam daran arbeiten, dass auch kommende Generationen Balve als lebenswerte Heimat erleben können.

Seit 1921 steht die Heimwacht Balve für dieses Engagement.

Heimat bewahren. Geschichte lebendig halten. Zukunft gestalten.

Säu faste ärre Balve.