Die Zeit drängt für Johannes und Franziskus: Bis August brauchen die Heiligen 22 500 Euro

Ein trauriges Dasein im Schuppen soll ein Ende haben. Der „unfallverletzte“ Johannes von Nepomuk soll restauriert werden und der witterungsverfallene Heilige Franziskus auch.

Balve – Er ist ein jahrhundertealter stiller Zeuge der Geschichte und ein seltenes Exemplar eines Brückeheiligen: 25 Jahre lang fristete die Steinfigur des Heiligen Johannes von Nepomuk ein trauriges Dasein in einem Schuppen, nachdem sie bei einem Unfall angefahren und schwerbeschädigt worden war – nun soll sie wieder aus ihrem „Dornröschenschlaf“ erweckt werden: Die Heimwacht Balve plant die Restaurierung und Wiederaufstellung der Skulptur. Und nicht nur ihre.

Viele Menschen im Balver Land erinnern sich noch, dass bis zum Neubau der Borkebrücke am Ende der Wocklumer Allee vor rund 25 Jahren der „Nepomuk“ auf der Brücke stand – als stiller Zeitzeuge. Die Figur wird auf das Jahr 1760 datiert und ist laut Denkmalschutzliste der Stadt Balve selten und die einzige Darstellung eines Brückenheiligen im Märkischen Kreis.

Nur wenige hundert Meter entfernt, oberhalb des Schlosses, steht die ebenfalls von Wind und Wetter stark gezeichnete Steinfigur des Heiligen Franziskus von 1779, die zusammen mit der Figur des Nepomuk ein einzigartiges, barockes Ensemble um das Schloss Wocklum bildet, heißt es von der Heimwacht.

Beide Figuren können restauriert werden: Abgebrochene Teile lassen sich ergänzen, Skulpturen reinigen und auch der fortschreitende Zerfall des empfindlichen Sandsteins könnte gestoppt werden. Allerdings wird die Restaurierung die Spuren der Zeit nicht unsichtbar machen. „250 Jahre Wind und Wetter kann ich nicht einfach wegretuschieren“, heißt es treffend vom Restaurator.

Das Vorhaben ist also anspruchsvoll: Die voraussichtlichen Restaurierungskosten für beide Figuren belaufen sich auf rund 22 500 Euro, ein Betrag, der möglichst bis August erreicht werden müsste, da das Angebot beziehungsweise der Kostenvoranschlag des Restaurators zeitlich begrenzt ist, heißt es von der Heimwacht weiter. Deren Mitglieder sind jedoch zuversichtlich, das Geld aufbringen zu können – durch öffentliche Fördermittel, vor allem aber durch Spenden engagierter Bürgerinnen und Bürger. Ein erster Grundstock von knapp 5000 Euro sei bereits vorhanden. Sobald die Finanzierung gesichert sei, könnten die Figuren in die Werkstatt des Restaurators gebracht werden. Die Restaurierungsarbeiten werden mehrere Monate in Anspruch nehmen.

„Natürlich mag sich mancher fragen, ob es notwendig ist, so viel Geld in alte Steinfiguren zu investieren. Wir als Heimwacht sind überzeugt: Ja, es ist wichtig“, sagt Ludger Terbrüggen. „Seit über 250 Jahren begleiten diese Figuren die Menschen im Balver Land. Generationen sind an ihnen vorbeigegangen, haben innegehalten, gebetet oder einfach ihre besondere Ausstrahlung auf sich wirken lassen.“ Sie könnten Geschichten erzählen von Krieg und Elend, von Not und Hoffnungslosigkeit, aber auch von Glück und Lebensfreude, von Lebenslust und Unbeschwertheit. „Geschichte eben von den Menschen aus unserer Heimat. Diese Skulpturen besitzen nicht nur eine religiöse, sondern vor allem auch eine kulturelle Bedeutung. Sie sind steinerne Zeugen unserer Geschichte und verdienen unseren Respekt und unseren Einsatz für ihren Erhalt.“

Peter Glasmacher, Vorsitzender der Heimwacht, bringt es auf den Punkt. „Beide Skulpturen sind ein Stück Identität für den neuen Geschichtspark. Im Sommer dieses Jahres wird der neu gestaltete Geschichtspark durch Bürgermeister Hubertus Mühling und Heimatministerin Ina Scharrenbach eröffnet. Im Herzen dieses Parks könnten künftig die restaurierten Figuren des Heiligen Nepomuk und des Heiligen Franziskus stehen. Ohne sie würde dem Geschichtspark ein wichtiger Teil seiner historischen Identität fehlen. Dafür setzen wir uns von der Heimwacht ein und dafür lohnt sich jede Mühe.“

Die Heimwacht ruft dazu auf, das Projekt zu unterstützen – und bittet um Spenden

Quelle: come-on.de