Es wird mehrere Monate in Anspruch nehmen, die Heiligenfiguren wieder herzurichten. Bis dahin könnte der Beckumer Marien-Schänder gefasst sein.
Balve – Von ihren Plänen lässt sich die Heimwacht aufgrund der Ereignisse in der Marienkapelle in Beckum nicht abbringen: Die Interessengemeinschaft sammelt aktuell Spenden, um die Steinfiguren des Heiligen Johannes von Nepomuk und des Heiligen Franziskus restaurieren zu lassen, damit sie eines Tages im Geschichtspark glänzen können.
Heimwacht-Vorsitzender Peter Glasmacher setzt auf die Zeit: „Bis wir mit unserem Projekt fertig sind, ist der Täter hoffentlich gefasst und kann den Heiligenfiguren dann nichts mehr anhaben.“ Glasmacher hat von der frischen Schandtat kopfschüttelnd Kenntnis genommen, will durch sie aber die Sanierung der Kulturgüter nicht gestoppt wissen.
Der Aufruf, die Restaurierung der wahrlich alten Heiligendarstellungen zu unterstützen, sei auf fruchtbaren Boden gefallen: „Die Spenden laufen gut ein. Zusätzlich haben wir Stiftungen kontaktiert, die uns bei unseren Plänen behilflich sein könnten. Nur ist damit natürlich auch ein gewisser bürokratischer Aufwand verbunden, weshalb wir vom Fristende August wohl abrücken müssen.“ Der Monat war von der Heimwacht als Endpunkt gesetzt worden, um die nötigen 22 500 Euro zusammenzubekommen, die für die Restaurierung gebraucht werden. Diese Summe hatte ein Fach-Restaurator der Heimwacht bei zeitnaher Auftragsvergabe genannt. Der Preis für einen späteren Sanierungsbeginn würde inflationsbedingt teurer ausfallen.
Brückenheiliger einzigartig im Märkischen Kreis
Nicht nur von hohem spirituellen Wert ist „der Nepomuk“, sondern in seiner Eigenschaft als alleiniger verbriefter Brückenheiliger auch einzigartig im Märkischen Kreis. Bis zum Neubau der Borkebrücke am Ende der Wocklumer Allee vor rund 25 Jahren hütete der steinerne Heilige das Bauwerk als stiller Patron. Entstanden ist die Figur im Jahr 1760. Nicht nur die Witterung hatte zu ihrem allmählichen Verfall beigetragen, sondern auch ein Unfall. Sie war angefahren und schwerbeschädigt worden und in Folge in einem Schuppen eingelagert, fernab des öffentlichen Auges.
Nicht eingepfercht, aber nicht minder leidend steht die Steinfigur des Heiligen Franziskus aus dem Jahr 1779 oberhalb des Schlosses. Sämtlichen Naturgewalten ausgesetzt, steht es auch um die Optik von Franziskus nicht gut. Weil beide Heilige aber lange Zeit gemeinsam ein einzigartiges barockes Ensemble um das Schloss Wocklum gebildet haben, sollen sie wieder hübsch gemacht und in den neuen Geschichtspark integriert werden. Die Heimwacht sieht einen besonders hohen Wert in der historischen Identität, die die Figuren aufgrund ihrer langen Existenz haben.
Bei der Vorstellung des Sanierungsprojekts brachte es Ludger Terbrüggen auf den Punkt: „Seit über 250 Jahren begleiten diese Figuren die Menschen im Balver Land. Generationen sind an ihnen vorbeigegangen, haben innegehalten, gebetet oder einfach ihre besondere Ausstrahlung auf sich wirken lassen.“ Sie könnten Geschichten erzählen von Krieg und Elend, von Not und Hoffnungslosigkeit, aber auch von Glück und Lebensfreude, von Lebenslust und Unbeschwertheit. „Geschichte eben von den Menschen aus unserer Heimat. Diese Skulpturen besitzen nicht nur eine religiöse, sondern vor allem auch eine kulturelle Bedeutung. Sie sind steinerne Zeugen unserer Geschichte und verdienen unseren Respekt und unseren Einsatz für ihren Erhalt.“
Unabhängig davon, wann das Geld für die Sanierung letztendlich beisammen ist, wird es mehrere Monate in Anspruch nehmen, um sie wieder herzurichten. Auch deshalb ist Heimwacht-Vorsitzender Peter Glasmacher aktuell gelassen in Anbetracht der neuen Heiligenfiguren-Schänderei in Balve. Noch geht keine Gefahr für Nepomuk und Franziskus aus.
Quelle: come-one.de – Ina Hornemann
